Das  Toxoplasmose  Handbuch

5/2019 wurde "Das Toxoplasmose Handbuch", veröffentlicht, ein allgemeinverständlicher  Leitfaden für Patienten und Ärzte. Es ist seit 12/2019 in zweiter Auflage mit erweiterten Diagnose- und Therapiehin-weisen auch als eBook erhältlich.

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 Handbook Toxoplasmosis

"Shadow disease chronic active Toxoplasmosis", a comprehensible and comprehensive guide for patients and physicians was released in 2019. It is available worldwide as print and ebook, and can be ordered online or in any bookstore.

Die Bücher können auch über den Buchhandel und andere Versandquellen bezogen werden.

Update Juli 2020

Seit dem Erscheinen der ersten Auflage 5/2019 habe ich viel positiven Zuspruch erfahren, und ich möchte mich an dieser Stelle dafür bedanken. Wie erhofft werden die website und das Buch zunehmend häufig von Betroffenen gefunden, und in vielen Fällen sind die behandelnden Ärzte aufgeschlossen und bereit sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Für diese werden im Buch Diagnose und Therapie detailliert besprochen, und ich freue mich jederzeit über eine Zusammenarbeit mit interessierten Kollegen. 

 

Die Arbeit in der Praxis geht natürlich kontinuierlich weiter, und es bleiben weiter schwierige Krankheitsverläufe zu entschlüsseln. Bei meinen Recherchen zu diesen Fällen stoße ich auch auf weitere Erkenntnisse und therapeutische Möglichkeiten. Das Kapitel 7, in dem andere mögliche Krankheitsursachen und Infektionen besprochen werden, wird deshalb in einer neuen Auflage (die zur Zeit noch in weiter Ferne ist) ergänzt werden. Eine Ergänzung ist so wesentlich, dass ich hier schon davon berichten möchte. 

 

Die Rede ist von Chlamydieninfektionen, die ich mittlerweile in einigen besonders schwierigen Fällen als Ursache oder zusätzlichen Faktor der Erkrankung identifizieren konnte. 

 

Chlamydien sind sehr kleine Bakterien, die innerhalb unserer Zellen leben und sich dort verbergen, in dieser Hinsicht ähneln sie den Toxoplasmen. Es ist bekannt, dass manche Stämme dieser Bakterien hartnäckige Infekte der Atemwege verursachen können, vermutet wird auch dass eine chronische Chlamydienerkrankung zu Gefäßverschlüssen und Gelenkentzündungen ähnlich rheumatischen Erkrankungen führen kann. Ein anderer Stamm gehört zu den am häufigsten sexuell übertragenen Krankheitserregern und verursacht Infektionen der Genitalorgane. Oft bleibt dies unbemerkt, es kann aber auch zu Entzündungen der Harnröhre, schmerzhaften Unterleibs-entzündungen und Unfruchtbarkeit führen. 

 

Weniger bekannt ist hingegen, dass Chlamydien offenbar auch lang anhaltende chronische Krank-heitsbilder mit vielfältigen Symptomen wie Müdigkeit, Hustenreiz, chronische Nasenneben-höhlenentzündungen, Sehstörungen und Augenbrennen, Schmerzen der Gelenke, Wirbelsäule und Sehnen auslösen können. Auch innere Organe können betroffen sein, mit der Folge von Brennen im Magenbereich und Herzstichen. Wer online nach „Brockmann“ und „Chlamydien“ sucht, findet rasch einen interessanten Artikel von Dr. Silke Brockmann mit einer detaillierten Symptom-beschreibung.  Wie auch bei einer Toxoplasmose sind nicht einzelne Symptome entscheidend, sondern deren Kombination.

 

Die Häufigkeit von Chlamydieninfektionen nimmt mit dem Alter zu, sie liegt bei etwa 60%, es ist jedoch noch unbekannt wie häufig dies eine chronische Erkrankung zur Folge hat. Das Krankheitsbild ist unter meinen Patienten weniger häufig als  eine chronisch aktive Toxoplasmose, es kann diese aber in einigen Symptomen imitieren und so die Diagnose erschweren oder den Behandlungserfolg stören.  Ähnlich wie bei den Toxoplasmen wird die Bedeutung chronischer Chlamydieninfektionen  bisher eher unterschätzt.

 

Die Antikörperbestimmungen sind bei Chlamydieninfektionen der Atemwege verlässlicher als bei einer chronisch aktiven Toxoplasmose. Eine Besonderheit ist jedoch, dass ein akutes Geschehen oft nicht durch ein erhöhtes IgM, sondern durch ein erhöhtes IgA gekennzeichnet ist. Im Fall aktiver Chlamydieninfektionen wurden in unserer Praxis meist Chlamydophila  pneumoniae, (vormals Chlamydia pneumoniae) nachgewiesen.

Für den Chlamydienstamm der sexuell übertragen wird (Chlamydia trachomatis), gelten direkte Nachweise, also z.B. ein Abstrich als verlässlicher. Wie so oft gibt es leider auch eine gewisse Fehlerquote, so dass diese Erkrankung manchmal nicht sicher bestätigt, aber auch nur schwer sicher ausgeschlossen werden kann. Auch für Chlamydien steht ein LTT zur Verfügung, der etwa 90 € pro Testung eines Chlamydien Stammes kostet.

 

Die Behandlung ist glücklicherweise unkomplizierter als bei einer Toxoplasmose, Standard-antibiotika wie Clarithromycin 2x500 mg oder Doxycyclin 2 x 100 mg über 20 Tage wirken verlässlich.  In schwierigen Fällen kann können Antibiotika auch nach dem "Wheldon Protokoll" kombiniert werden (Doxycyclin 2 x 100 mg + Azithromycin 1x 250 bis 500mg an jedem 2. Tag)

Letztlich ist bei chronischen Infekten zu berücksichtigen, dass ein geschwächtes Immun-system vielleicht nicht nur die Kontrolle über einen Krankheitserreger verliert, sondern möglicher-weise über mehrere. So mag ein Immunsystem zunächst durch Toxoplasmen geschwächt werden, doch kann es in der Folge auch die Kontrolle über weitere Keime, wie Chlamydien oder Herpesviren, z.B. CMV oder EBV verlieren.  In der Folge wird das Krankheitsbild hierdurch möglicherweise ausgeweitet, die Krankheitsintensität  kann zunehmen und eine erfolg-reiche  Therapie wird schwieriger - ist aber in vielen Fällen dennoch möglich.

Ich arbeite weiterhin daran, eine Universitätsklinik für die Durchführung einer klinischen Studie zur chronisch aktiven Toxoplasmose zu gewinnen. Obwohl mir zwischenzeitlich entsprechende Fördermittel in Ansicht gestellt wurden, bleibt dies aber eine schwierige Aufgabe, da viele Ärzte die Bedeutung dieser  Erkrankung  leider noch unterschätzten.