Dr. med. Uwe Auf der Strasse

Was sind die nächsten Schritte, wenn Ihre Symptome auf eine chronisch aktive Toxoplasmose hindeuten ?

Wenn bei ihnen viele der zuvor aufgeführten Symptome vorhanden sind, aber alle bisherigen Anstrengungen noch keine entscheidende Diagnose erbracht haben, könnten sie eine "Checkliste Toxoplasmose" ausfüllen, um die Wahrscheinlichkeit für eine  chronisch aktive Toxoplasmose besser einschätzen zu können.  Hier ist ein kostenloser Download:

 

                                                           

 

 

So wird die Checkliste benutzt: 

 

Basis ist immer eine gründliche Voruntersuchung mit einem Ausschluss anderer Krankheitsursachen, s. hierzu auch S. 60 - 74. Weil die Symptome so vielfältig sind, ist es ratsam, sowohl bei der Diagnose wie auch bei den Verlaufsbeobachtungen immer den kompletten Fragebogen zu bearbeiten, weil sonst weder Patienten noch Ärzte den Therapieverlauf richtig beurteilen können.  Im Fall, dass ein intervallartiger Verlauf vorliegt, bitte ich die Patienten, mir die Symptomintensitäten der „schlechten“ Tage zu nennen.  "0" bezeichnet jeweils Symptomfreiheit, etwa "5" eine als "mittel" empfundene Symptomstärke bis hin zu "10" für schwerste Ausprägung des jeweiligen Symptoms.  Bei einem intervallförmigen Krankheitsverlauf ist der Wirkungseintritt meist etwas rascher, hingegen sind die Therapiefortschritte oft etwas langsamer, wenn die Erkrankung gleichförmig verläuft und möglicherweise schon viele Jahre besteht. (s. auch 16.1. S.207).   Es ist anzunehmen, dass Patienten "gleich starke" Symptome unterschiedlich empfinden, aber jeder einzelne wird wahrnehmen, wenn sich seine Symptome durch eine Behandlung deutlich verbessern. 

 

Wenn von den ersten 6 Symptomen auf der Checkliste nicht mehr als 3 vorhanden sind und die Begleitsymptome unauffällig sind, ist eine aktive Toxoplasmose nach meinen Erfahrungen wenig wahrscheinlich.  Zu einer hohen Wahrscheinlichkeit für eine aktive Toxoplasmose führen hinge-gen eine Intensität von mindestens „5“ für „Müdigkeit“

 

und 3 der nächsten 5 Symptome 

 

oder

 

2 der nächsten 5 Symptome und mindestens 2 der übrigen Symptome

 

Alle Patienten mit aktiver Toxoplasmose gaben eine ungewöhnliche  Müdigkeit  an, deshalb schließt ein Fehlen dieses Symptoms eine aktive Toxoplasmose weitgehend aus. 

 

Je mehr Kriterien zutreffen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für eine aktive Toxoplasmose. Die Häufigkeit der hier aufgelisteten Symptome nimmt von oben nach unten ab (vergl. S. 55 – 58 und 186/187). Bei kurzer Krankheitsdauer und/oder geringer Krankheitsintensität sind häufig nur einige der ersten 8 Symptome sowie die Symptome „Morgensteifigkeit und „Gelenkschmerzen“ vorhanden. Das Kriterium „Sehstörungen“ hat nach Ausschluss einer Augenerkrankung eine hohe Bedeutung. Der Punkt „Gangunsicherheit“ ist eine neuere Ergänzung, die Patienten berichten meist von einem auffällig häufigen „Anecken“ an Türrahmen oder Möbelstücken, sowie von leichten Koordinationsstörungen und einer vermehrten Ungeschicklichkeit. 

Seit 2/2019 bestimme ich neben den Toxoplasma IgG und IgM auch den Toxoplasma LTT (s.S. 215).  Meine Erfahrungen und die Erfahrungen befreundeter Kollegen deuten auf eine gute Sensitivität dieses Testes für die Erkennung einer chronisch aktiven Toxoplasmose hin, doch liegen soweit mir bekannt noch keine klinischen Studien zum Toxoplasma-LTT vor. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Kombinationstherapie sollte nur verordnet werden, wenn die Checkliste ein hohes Risiko für eine chronisch aktive Toxoplasmose anzeigt und die Symptome während der anfänglichen 7-10 tägigen Clindamycintherapie deutlich rückläufig sind. Ein positiver Toxoplasma LTT bestätigt die Diagnose. Ein positiver Toyoplasma IgM wäre selbstverständlich auch ein Therapieanlass, nur ist dieser Wert nach meinen Erfahrungen bei der chronisch aktiven Form der Toxoplasmose leider sehr unzuverlässsig (s.S. 49 – 53). In Kapitel 9 ab S.84 werden Nutzen und Risiken von Antibiotikatherapien erörtert. 

Wenn bis hierhin in Ihrem Fall vieles für eine chronisch aktive Toxoplasmose spricht, so ist es an diesem Punkt sinnvoll, Ihren Arzt / Ärztin "mit in das Boot" zu holen. Ich gebe hier das entsprechende Kapitel in Auszügen wieder.

16.13 Wie kann ich mit meinem Arzt zusammenarbeiten,  wenn meine Symptome für                  eine chronisch aktive Toxoplasmose sprechen ?

 

Ihr Arzt /Ärztin kennt die Toxoplasmose wahrscheinlich eher als Risiko im Fall einer Erstinfektion während der Schwangerschaft, oder als Komplikation bei Organtransplantationen. Bisher wird im Medizinstudiums noch vermittelt, dass Toxoplasmen für Menschen mit intaktem Immunsystem völlig harmlos seien. Das dem nicht so ist, und dass die Verlässlichkeit der üblichen Antikörper-tests nur für akute Toxoplasmainfektionen belegt ist, keinesfalls aber für eine chronisch aktive Toxoplasmose ist bisher nur wenig bekannt. 

 

Wenn Sie unter zahlreichen Symptomen leiden, die an eine chronisch aktive Toxoplasmose denken lassen, ohne dass eine ausführliche Diagnostik und möglicherweise auch stationäre Untersuchungen eine tragfähige Diagnose ergeben haben, könnten Sie an diesem Punkt Ihren Arzt diplomatisch auf die Möglichkeit einer chronisch aktiven Toxoplasmose ansprechen. Es ist sehr sinnvoll, eine bereits ausgefüllte Checkliste zu diesem Gespräch mitzubringen, da ihr Arzt während der normalen Sprechstundenarbeit die Zeit dafür sehr wahrscheinlich nicht aufbringen kann. Er wird wahrscheinlich eher zurückhaltend auf Ihr Anliegen reagieren, und das ist in Anbetracht des erlernten Wissens auch vollkommen logisch. Trotzdem möchte er Ihnen natürlich helfen und ist mit ein wenig Überzeugungsarbeit vielleicht auch damit einverstanden, bei Ihnen einen Toxoplasma LTT durchführen zu lassen. 

 

Da es sich hierbei um eine Eigenleistung handelt  (Kosten zur Zeit etwa 55€),  wird das Labor- budget der Praxis nicht belastet, und das Blut wird am Tag der Abnahme deutschlandweit (zum Teil auch im europäischen Ausland) durch einen Kurierdienst abgeholt. Falls der LTT ein positives Resultat liefert, Ihre Symptomkombination auf eine chronisch aktive Toxoplasmose hinweist und die übrige Diagnostik abgeschlossen ist, so ist Ihr Arzt oder Ärztin möglicherweise bereit, eine Kombinationstherapie zu verordnen.

Falls der LTT ein negatives Ergebnis liefert, ist eine chronisch aktive Toxoplasmose noch nicht sicher ausgeschlossen, und ein Behandlungsversuch kann in  Einzelfällen trotzdem sinnvoll sein. Sie könnten Ihren Arzt bitten  das  Toxoplasmosehandbuch zu lesen; falls er jedoch die Zeit dafür nicht aufbringen kann, können sie ihm/ihr Kopien der Seiten 14 – 17, 49 – 59, 75 – 81, 215 - 224 und 244 – 246 aushändigen, oder Sie bitten ihn sich diese Website anzusehen. 

 

Bei einem negativem LTT wird man in der Regel zunächst nur einen Behandlungsversuch mit Clindamycin verordnen und erst bei einer deutlichen Besserung der Symptome nach 7-10 Tagen zu einer Kombinationstherapie wechseln (s.S. 190). Sie können hierbei Ihrem Arzt sehr helfen, wenn Sie konsequent jede Woche Ihre Symptome dokumentieren und die Checkliste komplett ausfüllen. Es könnte sein, dass ihr Arzt zunächst skeptisch reagiert, denn zu seinen Aufgaben gehört es auch, vorsichtig zu sein und neue Diagnosen und Therapien kritisch zu bewerten. Bei weitergehenden Fragen  bin ich für meine ärztlichen Kollegen jederzeit gerne ansprechbar.  

Da ich, wie die meisten Allgemeinmediziner, schon durch meine normale Praxistätigkeit oft an meiner Belastungsgrenze bin, kann ich leider nur wenige Patienten zusätzlich annehmen, doch kann jeder Arzt diese Erkrankung behandeln. Ich bin gerne jederzeit zur Zusammenarbeit mit meinen ärztlichen Kollegen bereit. Online Behandlungen biete ich nicht an, wie ich auch keine Rezepte verschicke.  Bei speziellen Fragen, die über den Inhalt dieser Website und meines Buches hinausgehen, bitte ich um telefonische Kontaktaufnahme,  gegebenenfalls ist auch ein email Kontakt möglich. Bitte haben Sie aber Verständnis, dass dies aufgrund des großen Zeitaufwandes kein kostenloses Angebot  ist.

Der Lymphozyten – Transformations - Test (LTT) hat seit Anfang 2019 meine Arbeit in Hinsicht auf die chronisch aktive Toxoplasmose deutlich erleichtert. Mit ihm können die T-Effektor-Lymphozyten unseres Immunsys-tems im Blut nachgewiesen werden, die spezifisch auf bestimmte Krankheits- erreger, also z.B. Toxoplasmen, reagieren. Sie zirkulieren etwa 3-4 Wochen im Blut und bilden damit die aktuelle Immunantwort gegen den Erreger ab. Dieser Test nutzt ein anderes Prinzip als die üblichen Antikörpertests, die nach meinen Erfahrungen für die Diagnostik der chronisch aktiven Form der Toxoplasmose ungeeignet sind.  Wenn eine gründliche Ausschlussdiagnostik erfolgt ist und dieser Test ein positives Resultat zeigt, ist die Wahrschein-lichkeit für eine aktive Toxoplasmose sehr hoch. Ein sicherer Ausschluss dieser Erkrankung ist jedoch auch mit diesem Test nicht immer möglich.

Checkliste Toxoplasmose

Checklist Toxoplasmosis